Allgemeine Infos und Begriffserklärungen

27. Juni 2020 Aus Von coraci

Das digitale Coraci Festival 2020

Solidarisch kämpfen. Wie geht intersektionaler Widerstand?”

ist jetzt vorbei. Wir haben uns mit euch zusammen ausgetauscht, über heutige Probleme nachgedacht und uns neue Zukunften ausgemalt. 

Danke an euch!

Ein riesen großes Danke an die diesjährigen Referent*innen und ihre interessanten Webinare, Vorträge, Workshops, Filme und Theaterstücke, die dieses Festival gegen Rassismus überhaupt erst möglich gemacht haben!

Danke an Natasha A. Kelly, Max Czollek, die Aktivist*innen und Schauspieler*innen der “Mittelmeermonolge”, Tuncay Acar, Samira Fansa von Deckname Jenny, Sabrina Rahimi, SchwarzRund, das NINA-womeN IN Action Kollektiv, Debora Antmann, Miriam Yosef und Ina Holev von Jewish Intersectional, sowie Dagmar Schultz vom Audre Lorde Film! 

Auch ein riesiges Danke an alle, die dieses Jahr diskriminierungskritisch nachgedacht haben, uns zu unserer Durchführung und Entwicklung Feedback gegeben haben und uns unterstützen! Unterstützt wurden wir vom AStA, dem Antirassismus-Referat und dem Gleichstellungsbüro der Leuphana Universität in Lüneburg. 

Warum das Thema? 

Wir hatten uns dazu entschlossen, das diesjährige Festival in den digitalen Bereich zu verlegen, da sich trotz der Pandemie die Relevanz politischer Kämpfe nicht mindert, sondern verstärkt. Durch die “Corona-Krise” kam es zu einem massiven Anstieg von rassistischen und antisemitischen Verschwörungstheorien, es gab mehr rassistische Übergriffe, z. B. gegenüber der asiatischen Community und Sinti*zze und Romn*ja. Die Fallzahlen von Gewalt gegen Frauen und Kinder stiegen an und in Schulen, sowie Universitäten offenbarte sich wieder die nicht vorhandene Chancengleichheit, die jetzt besonders Menschen ohne ein sicheres Zuhause oder ohne internetfähiges Gerät trafen. 

Das bedeutet die Teilhabe u.a. am öffentlichen Raum oder am Bildungssystem wird bestimmten Personen erschwert. Diese historisch gewachsene Zuteilung, die anhand willkürlich ausgewählter Merkmale Menschen kategorisiert und systematisch abwertet, bestimmt schlussendlich wer mehr gesellschaftliche Zugänge erhält und wer an den Rand der Gesellschaft gedrängt wird. 

Und das gilt es zu erkennen. 

Deutschland ist zwar divers, hat viele unterschiedliche kulturelle Prägungen, spricht verschiedene Sprachen, isst unterschiedliches Essen und doch wird immer wieder versucht zu behaupten, es gäbe so etwas wie eine Leitkultur oder nur eine Sprache, auf der sich alle verständigen können sollen. Es werden Hierarchien zwischen den Leuten konstruiert, die dann reale und oftmals tödliche Konsequenzen haben. 

Wenn wir also von Solidarität sprechen, Machtverhältnisse kritisieren und Zusammenkommen wollen, müssen wir die diskriminierenden Strukturen und wie sie ineinander verwoben sind, verstehen, sowie unsere eigenen Privilegien, wie z.B. weiße Privilegien oder männliche Privilegien, und damit auch internalisierte Formen der Diskriminierung in uns erkennen. 

Dabei ist es wichtig, Mehrfachdiskriminierungen sichtbar zu machen und den von Mehrfachdiskriminierung betroffenen Personen zuzuhören.

Auf Rassismus, Sexismus, Antisemitismus, Ableismus, Trans-und Homofeindlichkeit usw. baut unsere Gesellschaft auf. Die Formen der Diskriminierung, sind oftmals kompliziert, überlagern sich, überschneiden sich und bilden ein komplexes System von Hierarchien und Ausschlüssen. Deshalb ist es umso wichtiger sie in ihren Zusammenhängen zu verstehen.

Die Frage, die sich uns dabei gestellt hat, war, wie gegen ein ineinander verwobenes System der Diskriminierungsformen Widerstand geleistet wird und werden kann, und besonders wie Komponenten von widerständigen Handeln miteinander verbunden werden können und sich somit neue Möglichkeiten der Allianzenbildung eröffnen lassen. 

Der Ansatz der Intersektionalität, der ursprünglich aus dem Schwarzen Feminismus kommt, ermöglicht es die Verwobenheit und Vielfalt von Widerständen wahrzunehmen. Die diesjährigen Referent*innen haben daher anhand dieses Ansatzes aktuelle Geschehnisse kritisiert und Möglichkeiten zu kritischen Allianzen und Bündnissen aufgezeigt. Diese Schritte sind notwendig für einen gemeinsamen Kampf. 

Und das ist, was wir uns erhoffen: Einen gemeinsamen Kampf für eine gerechtere Welt. 

Ein solcher Kampf funktioniert nicht ohne Weiterbildung, Reflektion und kritisches Hinterfragen. Uns ist jedoch bewusst, dass die Recherche dazu nicht immer einfach ist. Deshalb wollen wir unsere Plattform dazu nutzen, um auf die Arbeit von Journalist*innen, Wissenschaftler*innen, Politiker*innen, Medienschaffenden, Bildungsreferent*innen, Aktivitst*innen zu verweisen, die sich genau mit diesen Themen beschäftigen und oftmals kostenlose sowie kritische Bildungsarbeit leisten! 

Empfehlungen

“Erklär mir mal…”

“Erklär mir mal…” ist das erste digitale, queere PoC Bildungsformat auf Instagram. In dreiminütigen IGTV-Videos erklären vier Moderator*innen wöchentlich politische Begriffe, die sich in folgende vier Themenschwerpunkte kategorisieren lassen:

(1) Queer & Feminismus

(2) Politik & Gesellschaft

(3) Rassismus

(4) Open Space (Digitalisierung und Nachhaltigkeit)

In politischen Diskussionen werden oft komplexe Begriffe und Codes genutzt, die für einige sehr einschüchternd wirken können. Aus diesem Grund widmen sich die Moderator*innen von “Erklär mir mal.” einzelnen Fragen und Unsicherheiten, die bei der theoretischen und praktischen Auseinandersetzung mit Diskriminierungsformen aufkommen, und erklären Begrifflichkeiten aus der rassismuskritischen und sexismuskritischen Theorie. So setzen sie sich mit Fragen auseinander wie: “Wissen alle wirklich, was Heteronormativität oder Diaspora bedeutet“? „Wann und warum kamen eigentlich Gastarbeiter nach Deutschland?”.  

Da sich Menschen mit Migrationshintergrund in den Medien in Deutschland immer noch nicht ausreichend repräsentiert sehen, bietet “Erklär mir mal…” eine Plattform für eben diese. Zentral hierbei ist es, dass eigene Narrative von Menschen mit Migrationshintergrund und queeren Personen eingenommen werden. Diese sprechen sowohl über Themen wie Rassismus, stellen aber auch beispielsweise ihre Perspektiven auf Nachhaltigkeit dar. 

Wirmüsstenmalreden

website: https://wirmuesstenreden.blogspot.com/

Wirmüsstenmalreden ist ein Kollektiv aus drei fetten/mehrgewichtigen Black indigenous women of color, die leidenschaftliche Aktivistinnen sind.

Auf ihrem Instagram Account und ihrem Blog klären sie einerseits  privilegierte Mitmenschen auf über Themen wie Rassismus, Sexismus, Homofeindlichkeit, Kolonialismus, Fragilität, Fettfeindlichkeit, toxische Maskulinität, Privilegien und noch vieles mehr. Zusätzlich geben sie Tipps und Tricks wie mensch -Ismen, ob passiv oder aktiv, erkennt, damit umgeht und sicher eingreifen kann. Und wichtige Tipps wie nicht-marginalisierten Leser, effektiv Betroffenen helfen und sie unterstützen, sowie an sich selbst arbeiten können, um diesen Support zu bewerkstelligen. 

Doch vor allem sind ihr Blog und Instagram für Bi_Poc mit anderen Intersektionen gedacht. Als Bi_PoC könnt ihr auf @wirmuesstenmalreden Aufrufe zu anderen Bi_PoC in eurer Region starten, Artikel posten, auf Veranstaltungen aufmerksam machen, nach Promotions fragen, etc. Wirmuesstenmalreden versuchen auf ihrer Plattform ein safer space für Schwarze, indigene Personen of Color mit Mehrfach-/Schwermarginalisierung zu sein und wollen einen Ort des Austauschs, des Teilens, gemeinsamen Lernens und Wachsens schaffen.

Re-define Racism

website: https://redefineracism.com/deine-geschichte/

Re-define Racism ist eine Online-Plattform, die es Betroffenen von rassistischer Diskriminierung und Vorurteilen im deutschsprachigen Raum möglich macht ihre Geschichten anonym mit der Welt zu teilen. Diese Geschichten offenbaren die von der allgemeinen Gesellschaft bisher nicht anerkannten Dimensionen des Rassismus. Ziel ist das Aufbrechen der allgemeinen und trügerischen Rassismusdefinition.

Die allgemeine Wahrnehmung im deutschsprachigen Raum ist, dass Rassismus nur in seinen extremen und offenkundigen Formen existiert. Zu den Dingen die die Gesellschaft als Rassismus anerkennt, zählen unter anderem physische, gewalttätige Übergriffe, das N-Wort, Neo-Nazis, etc. Betroffene Personen erleben Rassismus jedoch täglich, in allen möglichen Lebenssituationen und durch die verschiedensten Akteur*innen. Diese Art des täglichen Rassismus – der gesellschaftlich akzeptierte Rassismus, wird vom nicht betroffenem Teil der Gesellschaft im deutschsprachigen Raum nicht wahrgenommen, manchmal sogar verleugnet.

Re-define Racism wurde mit der Absicht ins Leben gerufen all diesen Erlebnissen eine Plattform zu schenken. Eine Plattform, in der von Rassismus betroffene Personen ihre Geschichten anonym mit der Welt teilen können. Eine Plattform in der du, als betroffene Person, dich wegen deiner Gefühle nicht rechtfertigen musst. Aber auch eine Plattform in der du, als nicht betroffene Person, einen Einblick in eine andere Lebensrealität bekommst und so hoffentlich lernst sie ein bisschen besser zu verstehen. Re-Define Racism korrigiert die von der Gesellschaft fälschlich festgelegte Definition von Rassismus und öffnet den Begriff für ein neues Verständnis.

Amadeu Antonio Stiftung 

https://www.instagram.com/belltowernews/

https:// belltower.news.de/

Seit ihrer Gründung 1998 ist es das Ziel der Amadeu Antonio Stiftung, eine demokratische Zivilgesellschaft zu stärken, die sich konsequent gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus wendet.

Dafür unterstützt sie Initiativen und Projekte, die sich kontinuierlich für eine demokratische Kultur engagieren und für den Schutz von Minderheiten eintreten. Die Stiftung fördert unkompliziert und verteilt das Geld gezielt dort, wo es am dringendsten benötigt wird.

Die wichtigste Aufgabe der Amadeu Antonio Stiftung über eine finanzielle Unterstützung hinaus: Aufmerksamkeit für engagierte Menschen vor Ort zu schaffen und das Thema Rechtsextremismus dauerhaft auf die Tagesordnung zu bringen.

Bei Belltowernews findet ihr außerdem Artikel zu Rechtextremismus, Rechtspopulismus, und zu Formen der Diskriminierung wie Rassismus, Antisemitismus, Anti-muslimischer Rassismus, Antiromanismus, Homofeindlichkeit und Sexismus in Deutschland.

Verbündete*r sein

Wie kann ich ein*e Verbündete*r sein?

Der Instagram Account von Verbündete*r sein, richtet sich vor allem an weiße Follower*innen, die ihre eigenen Rassismen erkennen wollen. Auf dem Account werden Bücher, Podcast-Empfehlungen und weitere Accounts zur antirassistischen Weiterbildung empfohlen. Sie erklären wichtige Begriffe  anhand von Beispielen und zeigen Möglichkeiten auf, wie mensch Verbündete*r werden kann.

Bildungsstätte Anne Frank

Als landesweites Zentrum entwickelt die Bildungsstätte Anne Frank innovative Konzepte und Methoden, um Jugendliche und Erwachsene für die aktive Teilhabe an einer offenen und demokratischen Gesellschaft zu stärken und zu empowern. Sie möchten dazu ermutigen, gesellschaftliche Entwicklungen kritisch zu hinterfragen.

Auf Instagram findet ihr Erklärungen zu Verschwörungstheorien in Zeiten von Corona, was Sozialdarwinismus ist, zum rassistischen Video aus Sinsheim und rechtextremen Strukturen der Polizei.

Die BS bietet außerdem Ausstellungen, Seminare, Trainings, Beratungsangebote und neuerdings auch Webinare an.

Sie unterstützt und vernetzt sowohl Bildungseinrichtungen als auch lokale Initiativen und Selbstorganisationen von marginalisierten Gruppen. Dabei sieht es die BS als Aufgabe, sie dabei zu unterstützen, ihre Stimmen, Positionen und Belange hör- und sichtbar zu machen.

Say my name 

http://m.bpb.de > lernen > projekte > say my name

Say my name ist ein von der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) beauftragtes Format, in der Webvideos von der Kooperative Berlin produziert werden. Say my name richtet sich besonders an junge Frauen zwischen 14-25 Jahren und soll sie in erster Linie durch Repräsentation und Aufzeigen von Verbundenheit empowern. Neben den Youtube-Videos werden sechs Frauen seit Mitte 2019 bei Instagram begleitet, welche Beiträge aus intersektionalem, solidarischem und erklärendem Ansatz kreiieren. Die Beiträge in Text und Video behandeln Fragen zu systematischer Diskriminierung, Rassismus und Sexismus sowie ihren Verwicklungen. 

Was bedeutet POC? Warum eigentlich “Schwarze Menschen” und nicht “schwarze Menschen”? Was ist ein Ally und was kann ich als Verbündete*r tun? Was ist intersektionaler Feminismus? Was ist “Othering” und wie mit der Frage nach der “tatsächlichen” Herkunft umgehen? Was ist Blackfishing? Was ist antimuslimischer Rassismus? Was steckt hinter What-Aboutism? Was ist Diversität? Was bedeutet “marginalisiert sein”? Was ist Tokenism?

Viele Begriffe und Konzepte werden anschaulich erklärt und pädagogische Materialien auf der Seite des bpb zur Verfügung gestellt.