{"id":1190,"date":"2020-06-16T12:54:33","date_gmt":"2020-06-16T10:54:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.coraci-festival.de\/?p=1190"},"modified":"2023-03-20T18:03:44","modified_gmt":"2023-03-20T17:03:44","slug":"anti-muslimischer-rassismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.coraci-festival.de\/index.php\/2020\/06\/16\/anti-muslimischer-rassismus\/","title":{"rendered":"Anti-Muslimischer Rassismus \u2013 Reflexion \u00fcber Hanau"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der rechtsextremistische und von Verschw\u00f6rungstheorien beeinflusste Terroranschlag am 19.Februar 2020 in Hanau liegt wenige Monate zur\u00fcck, scheint aber kaum einen Nachhall in Gesellschaft, Politik und Medien hinterlassen zu haben. Die Diskussion um den Fall, bei dem zehn Menschen ermordet wurden, ist in Deutschland von der Berichterstattung \u00fcber den Virus COVID-19 erstickt. Der Angriff fand auf eine Shisha Bar statt. Einem Raum, der h\u00e4ufig als Schutzraum f\u00fcr nicht-wei\u00dfe Menschen mit Migrationsgeschichte dient. Die Shisha Bar als ein von der Mehrheitsgesellschaft stigmatisierter Ort, ist ein bewusstes Ziel der vors\u00e4tzlichen Tat gewesen. Der Umgang mit Shisha Bars zeigt, wie diese oft grunds\u00e4tzlich gesellschaftlich, medial und politisch kriminalisiert und in diesem Zusammenhang \u2018orientalisiert\u2019 werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie der Literaturtheoretiker Edward Said skizziert, fungiert die Produktion des \u2018Orients\u2019 und den dazugeh\u00f6rig nach selektiven Assoziationen markierten Menschen, als Gegenbild f\u00fcr Projektionen. Durch diese Produktion werden Orte und Menschen zum \u2018Anderen\u2019 gemacht, die ein kulturelles Gegen\u00fcber darstellen sollen, von dem sich abgegrenzt wird.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Anschlag in Hanau k\u00f6nnte von solchen Imaginationen der Entgegensetzung beeinflusst sein, die gesellschaftlich seit Jahrzehnten aktualisiert werden, um immer wieder Ausgrenzungen von Menschen zu rechtfertigen, die auf rassistischen Einbildungen beruhen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Podcast-Folge \u201c<em>Gedanken zu Hanau<\/em>\u201d von <em>Feuer &amp; Brot<\/em> verweist Alice Hasters auf die Fremdbeschreibung der \u2018Gastarbeiter*innen\u2019 und auf die Folgegenerationen der Immigrierten, die auf bestimmte Weise be- bzw. gezeichnet werden. So seien im Fall Hanau, die Menschen von einer Mischung aus Rassismus und Klassismus betroffen. Dabei wird das Bild der sogenannten \u2018Deutschen\u2018 gegen die vermeintlich \u2018Anderen\u2018 erneut sichtbar, welches strukturpr\u00e4gend in Deutschland ist.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Schirmph\u00e4nomen des Rassismus taktiert in seiner Verwobenheit mit Klassismus und Sexismus, um ihre ideologische Ungleichwertigkeit zu begr\u00fcnden, indem Menschen auf Grundlage von Kategorien wie Herkunft oder Geschlecht eingeordnet werden. Bestimmte Merkmale wie das Aussehen werden herausgepickt, um stereotypische Bilder herzustellen und zu bedienen. Privilegierte Gruppen der Gesellschaft begreifen sich als etabliert und versuchen Menschen zu Au\u00dfenseiter*innen, zu \u2018Randgruppen\u2019 zu machen und dabei Bilder des \u2018Fremden\u2019 aufrecht zu erhalten. Deutlich wird eine gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, die sich besonders gegen Menschen richtet, welche als nicht-wei\u00df sowie nicht-europ\u00e4isch definiert werden. Eine Auspr\u00e4gung hierbei ist die des antimuslimischen Rassismus. Dieser antimuslimische Rassismus hat beim T\u00e4ter in Hanau eine Rolle gespielt und h\u00e4ngt ebenso mit Vorstellungen des \u2018Orientalischen\u2019 sowie zugeschriebenen Merkmalen zusammen, die oberfl\u00e4chlich in der Shisha Bar gesehen wurden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im <em>Gedankensalat <\/em>Podcast wird in der Folge zum antimuslimischen Rassismus dar\u00fcber gesprochen, dass oftmals aufgrund von Zuschreibungen angenommen wird, dass Menschen muslimisch sind, obwohl sie es nicht sind. Oder muslimischen Menschen werden aufgrund ihrer Religiosit\u00e4t F\u00e4higkeiten abgesprochen. Ein gro\u00dfer Teil der deutschen Bev\u00f6lkerung empfindet den Islam als Bedrohung, dabei fehlt die Auseinandersetzung mit muslimischen Lebensweisen und hat im Zusammenhang mit Rassismus nichts mit religionskritischer Haltung zu tun. Der Youtube Kanal <em>Karakaya Talk<\/em> greift diese Problematiken auf, zeigt Perspektiven von Menschen, die kein Geh\u00f6r finden oder in der \u00f6ffentlichen Debatte unterrepr\u00e4sentiert sind. Denn die Stimmen von Hijabis, die wegen ihres Kopftuches diskriminiert werden, oder von queeren Muslim*innen,&nbsp; welche einem vielfachen Druck ausgesetzt sind, sind vorhanden, m\u00fcssen sich jedoch ihren Platz in der \u00d6ffentlichkeit erk\u00e4mpfen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Mehrdimensionalit\u00e4t von Rassismen ist zu ber\u00fccksichtigen, weil diese dazu f\u00fchren, dass zum Beispiel wei\u00dfe Muslim*innen anders von Rassismus betroffen sind als Schwarze Menschen, Rom*nja und Sinti*zze oder Menschen die weitere Formen der Diskriminierung erfahren. Bei den Opfern des Anschlags in Hanau handelt es sich um junge Personen mit verschiedenen Hintergr\u00fcnden und Geschichten, die hier aufgewachsen sind und gelebt haben.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wir gedenken Ferhat Unvar, G\u00f6khan G\u00fcltekin, Hamza Kurtovi\u0107, Said Nessar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Sedat G\u00fcrb\u00fcz, Kaloyan Velkov, Vili Viorel P\u0103un und Fatih Sara\u00e7o\u011flu, die vor f\u00fcnf Monaten beim rassistischen Anschlag in Hanau get\u00f6tet wurden.&nbsp;&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Viele BIPoC_Podcaster*innen greifen die Effekte des Anschlags auf, da sie versuchen die Geschehnisse zu verarbeiten und keine politischen Konsequenzen sehen. Die L\u00fccke in der Medienlandschaft motiviert verschiedene Podcaster*innen mit Migrationsgeschichte, und\/oder muslimischen Background, ihre Teilhabe an gesellschaftlichen Diskursen erkennbar zu machen. Sie sprechen \u00fcber Selbstbezeichnungen und fluide Identit\u00e4ten in einer Welt, die klare Kategorien fordert und die Sprachkultur in Deutschland pr\u00e4gt. Sprache spielt bei den meisten hier empfohlenen Podcasts eine tragende Rolle hinsichtlich des Austausches \u00fcber soziokulturelle Kontexte und dem sozialen Aufstieg durch Akademisierung. Eine Schnittstelle sind Fragen nach transgenerationalen Traumata\/Konflikten, M\u00f6glichkeiten des Empowerments und der Selbstverortung. In jedem Fall eine Sache der Repr\u00e4sentation von BIPoC und das Recht auf die Wahrnehmung sowie Positionierung in der deutschen \u00d6ffentlichkeit.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Im Folgenden ein paar Empfehlungen:<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Gedankensalat PODCAST<\/strong><br><span style=\"color:#bab5e9\" class=\"has-inline-color\">Einzelfolge<strong>: <em>Antimuslimischer Rassismus <\/em>(EP 6, 18.03.2019)<\/strong><\/span><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Feuer &amp; Brot PODCAST<\/strong><br><span style=\"color:#bab5e9\" class=\"has-inline-color\">Einzelfolge<strong>: <em>Gedanken zu Hanau<\/em> (EP 55, 21.03.2020)&nbsp;<\/strong><\/span><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Cosmo Machiavelli &#8211; Rap und Politik PODCAST<\/strong><br><span style=\"color:#bab5e9\" class=\"has-inline-color\">Einzelfolge: <strong><em>Hanau <\/em>(EP 43, 11.03.2020)&nbsp;<\/strong><\/span><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Realit\u00e4ter*innen PODCAST<\/strong><br><span style=\"color:#bab5e9\" class=\"has-inline-color\">Einzelfolge: <strong><em>Warum Rassismus in Deutschland uns alle betrifft w\/ Ferda &amp; Mouctar<\/em> (EP 5, 26.03.2020)<\/strong><\/span><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Dattel &amp; Chill PODCAST<\/strong><br><span style=\"color:#bab5e9\" class=\"has-inline-color\">Einzelfolge: <strong><em>Role Model &#8211; Musliminnen in der Medienlandschaft<\/em> (EP 4, 13.03.2020)<\/strong><\/span><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Dauern\u00f6rgler PODCAST<\/strong><br><span style=\"color:#bab5e9\" class=\"has-inline-color\">Einzelfolge:<strong> <em>#M\u00e4nnerwelten &#8211; Toxische M\u00e4nnlichkeit in der muslimischen Community<\/em> (EP 15, 17.05.2020)<\/strong><\/span><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Gastbeitrag von Sarah Mohsenyan.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der rechtsextremistische und von Verschw\u00f6rungstheorien beeinflusste Terroranschlag am 19.Februar 2020 in Hanau liegt wenige Monate zur\u00fcck, scheint aber kaum einen Nachhall in Gesellschaft, Politik und Medien hinterlassen zu haben. 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