Utopie(n). Was sind Utopien und von wem werden sie geschaffen?

Eine Utopie (griechisch: ohne Ort) umfasst eine in der Zukunft liegende soziale und politische Vorstellung, die Wunschbilder einer fortschrittlichen Gesellschaft oder idealen Ordnung beschreiben. Etabliert wurde der Begriff von Thomas Morus (1516), einem Autor, der in Zeiten der Renaissance lebte, wobei die Idee von Hoffnung und einer besseren Gesellschaft schon in frühreren Schriften auftauchte. Sein Roman handelt von der fiktiven Welt “Utopia”, einer Gesellschaft, die ein idyllisches Zusammenleben führt. “Utopia” gilt deshalb auch als Kritik an der Regierung und politischen Organisation des 15. und 16. Jahrhunderts in England.

Im Laufe der Geschichte gab es immer wieder literarische Ansätze von utopischen Gesellschaften. So versuchten sich Philosphen wie Platon (Politeia), Francis Bacon (Neu-Atlantis) oder der Schriftsteller Nathaniel Hawthrone (Die Blithedale-Maskerade) an Formulierungen eines neuen Zusammenlebens, einer Welt die von Harmonie und Frieden geprägt ist. Neben Fragen nach der perfekten Welt teilen die Autoren auch einen weiteren Aspekt: ihre Perspektive. Sie alle schreiben aus einer europäisch-westlichen, männlichen Sicht. Die Dominanz weißer Weltbilder macht sich so auch in gesellschaftskritischen Diskursen wie Utopien bemerkbar.

Auch heute spielen Vorstellungen von Utopien eine Rolle. Besonders in Krisenzeiten wie diesen bieten sie bieten uns die Möglichkeit, uns einen Ort vorzustellen, an dem wir nach unseren Wünschen leben können. Utopien sind wichtig weil sie Kritik an bestehenden Gesellschaftsstrukturen üben und auf verschiedenen Ebenen die Überwindung aktueller Problematiken ermöglichen.

Bei der multi-medialen Betrachtung von Utopien fällt eine starke Verbindung zu Sci-Fiction auf, die sich größtenteils im Bereich der wissenschaftlich-technischen Dimension befindet. Der im Jahr 2018 erschienene Film Black Panther handelt von der fiktiven Nation Wakanda, die durch medizinischen und technischen Fortschritt eine neue Form des Zusammenlebens ermöglicht. Gleichzeitig wird in Black Panther ein Perspektivwechsel vorgenommen, indem ein fiktionalisiertes Land auf dem afrikanischen Kontinent so dargestellt wird, als hätte der Kolonialismus nie stattgefunden. Diese Art der utopischen Vorstellung lehnt an Bewegungen des Afrofuturismus an.

Utopien unterliegen immer einer gewissen Subjektivität und können vielseitig sein. Deshalb hat nahezu jeder Mensch eine andere Vorstellung von einer perfekten Welt. Mit dem diesjährigen Coraci wollen wir einen Ort schaffen, an dem möglichst viele und vor allem oftmals nicht gehörte Perspektiven Ausdruck finden. Dazu behandeln wir die Frage:

Wer gestaltet unsere Zukunft?“

Und wollen mit anti-rassistischen Perspektiven auf Utopien Antworten darauf finden.