Was heißt Intersektionalität und warum wollen wir darüber sprechen?

Intersektionalität beschreibt die Verwobenheit, Überlappung sowie Überschneidungen verschiedener Diskriminierungsformen.

Dazu gehören: Rassismus, Sexismus, Klassismus, Antisemitismus, Ableismus, Transfeindlichkeit, Homophobie, usw.

Das bedeutet, dass so etwas wie Rassismus und Sexismus zum einen nicht auf klar abgegrenzte Identitäten einwirkt, wie „der Frau“, zum anderen können Rassismus und Sexismus nicht einfach nur zusammenaddiert werden, wenn eine Person von beiden Diskriminierungsformen betroffen ist.

Geprägt wurde der Begriff von der us-amerikanischen Juristin Kimberlé Crenshaw, die bemerkte, dass die spezifische Diskriminierung von Schwarzen Frauen oft übersehen wird. So wurde Antischwarzer Rassismus immer mit Schwarzen Männern in Verbindung gebracht, während Sexismus aus Sicht der weißen Frau verstanden wurde. Die Überlappung von Sexismus und Rassismus schafft eine neue Diskriminierung. Dies hat zur Folge, dass über die Diskriminierung von Schwarzen Frauen nicht berichtet wird, sodass die Wenigsten von den – durch die Polizei ermordeten – Schwarzen Frauen in den USA, aber auch in Deutschland gehört haben. 

Der intersektionale Ansatz versucht nicht von der Gemeinsamkeit auszugehen, sondern verweist besonders auf die Unterschiedlichkeit der Lebensrealitäten, die sich durch die Verwobenheit der verschiedenen Diskriminierungsformen ergeben und wie sie Individuen und Gruppen ausschließen.

Wenn wir also von Solidarität sprechen, Machtverhältnisse kritisieren und Zusammenkommen wollen, müssen wir wissen, wie wir selbst ausschließen. Wir müssen, diese Strukturen verstehen, in uns selbst erkennen und in solidarischer Arbeit anwenden. Dabei ist es wichtig, Mehrfachdiskriminierung sichtbar zu machen und den von Mehrfachdiskriminierung betroffenen Personen zuzuhören.

Die Aktivist*innen, Referent*innen und Kulturschaffende des diesjährigen Coraci-Festivals 2020 steigen in die Intersektionalitätsdebatte mit ein und versuchen herauszufinden wo die Probleme in den heutigen sozialen Bewegungen liegen, wie wir sie verbessern können und was bisher von der Intersektionalitätsforschung übersehen wurde. Hierbei werden verschiedene Perspektiven eingebracht, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben.

Text von Rebecca Walter.