Diaspora- was heißt das?

Der Begriff “Diaspora” kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet übersetzt “Zerstreuung” oder “Verstreutheit”. Ursprünglich wurde mit Diaspora das jüdische Exil 539 v. Chr. aus dem Gebiet des heutigen Israels und Palästinas beschrieben. Heute gibt es nicht mehr nur eine Definition des Begriffs.

Diaspora ist Heimatlosigkeit, Migration, Flucht. Diaspora bedeutet auch mehrere Heimaten gleichzeitig zu haben. Es beschreibt transnationale Gemeinschaften, also eine Verbundenheit, die länderübergreifend wirkt und religiös, national, kulturell oder ethnisch sein kann.

Im Begriff Diaspora vereinen sich die Verbundenheit von Netzwerken aus migrierten Gemeinschaften, mit traumatischen Erfahrungen, die teils durch Flucht- und Migrationsgeschichte entstehen, teils durch diskriminierende Strukturen in der Gesellschaft bedingt werden. Dadurch beschreibt der Begriff weder nur positive, noch nur negative Erfahrungen. Es ist eine komplexes Gemisch aus Menschen, Geschichten und Erinnerungen, die an mehreren Orten gleichzeitig sind und damit, auf eine gewisse Art und Weise, neue Orte schaffen.

Unter dem Begriff Diaspora können sich Personen mit Diskriminierungserfahrungen vereinen, um sich gegenseitig zu empowern. Es können Netzwerke für politische Kämpfe entstehen. So zeigt der Instagram-Kanal “Erklärmirmal” auf, dass die #blacklivesmatter Bewegung durch afro-diasporische Netzwerke Menschen weltweit gegen rassistische Polizeigewalt mobilisieren konnte. (Dazu mehr im Erklärmirmal-Video zu Diaspora: https://www.instagram.com/tv/CMSUw2BqulU/)

Auch in der Musikwelt herrschen absurde Machtverhältnisse, die sich in der deutschen Gesellschaft mit langer Tradition etabliert haben. Der Eurozentrismus und die dominante weiße Mehrheitsgesellschaft globalisieren ihre Wertevorstellungen und drängen seither minoritäre Kunst- und Kulturschaffende an den Rand. Wir wollen mit diesen Strukturen brechen und denjenigen eine Plattform bieten, die zu einem repräsentativen Musikleben beitragen. 

Deshalb beleuchtet das digitale Coraci-Festival 2021 diasporische Positionen in der Musik und stellt die Frage in den Raum:

„Wem hörst du zu?“