Weitere Empfehlungen

4. Juli 2020 Aus Von coraci

Afropod: Kompromisslos Schwarz

Maciré und Fatou möchten mit ihrem Podcast die “Politisierung Schwarzer Menschen inspirieren”. Sie glauben an Schwarze Befreiung und wollen mit ihrem Podcast einen Beitrag dazu leisten, indem sie komplexe Zusammenhänge erklären, Schwarze Geschichte und das Leben Schwarzer Menschen in Deutschland in den globalen Kontext einordnen und englischsprachige Literatur zugänglich machen. Die Podcasterinnen betonen, dass Schwarz als soziale Kategorie verstanden wird und besprechen die Konstruktion von “Rasse” als Rechtfertigung für Unterdrückung, Ausbeutung, Versklavung und Völkermord im historischen Rückblick vom vorkolonialen Sklavenhandel, über die Geschichte Deutschlands im 20.Jahrhundert bis zum fortwährenden Weitertragen des rassistischen Systems in die Gegenwart. “Gewalt an Schwarzen Körpern ist Normalzustand”, dessen weiß gesetzte Norm Ungleichbehandlung institutionalisiert und Schwarze Menschen kriminalisiert. Es geht aber nicht nur darum, Schwarzes Leid sichtbar zu machen, sondern auch Schwarzes Leben zu zeigen und “AfroSpirit” zu feiern, und sich gegenseitig für Schwarzen Widerstand zu empowern, weshalb sie auch News vom afrikanischen Kontinent in den Podcast mitbringen. Der Podcast ist “kein Ort für White Tears” und richtet sich nicht an weiße Menschen. 

Bin ich süßsauer?

In dem Podcast Bin ich süßsauer? interviewt Sung Un Gang, Medienwissenschaftler, queere asiatische Menschen und führt dabei zugewandt und aufmerksam durch die Gespräche. Die Gesprächspartner*innen erzählen von ihren Leben und Erfahrungen, die auch mit Homo- oder Transphobie zusammenhängen. Ausgangspunkt ist nicht unbedingt Deutschland, sondern ebenso die Perspektive als queere Person auf anderen Kontinenten. Dabei geht es beispielsweise darum, wie es ist, sich als erste Person in einem Land öffentlich zu outen. Ihre individuellen Geschichten berichten von schwierigen Wegen und zeigen, wie sie sich das erkämpft haben, was sich für sie gut anfühlt und darüber hinaus, wie wichtig Gespräche über Diskriminierung innerhalb der eigenen asiatischen Community sind.  

Black & Breakfast

Joana und Jaide machen den Podcast, um mehr Repräsentation von Women of Color in Deutschland zu schaffen und von ihren Erfahrungen in rassistischen Strukturen zu erzählen. Sie problematisieren Darstellungen von Stereotypen und das Fehlen von Identifikationsfiguren in den Medien und berichten, was es mit ihnen gemacht hat. In jungen Jahren schon aufgrund des Aussehens anders behandelt zu werden und mit dem Gefühl, ungenügend zu sein oder im Bildungssystem mit Selbstzweifeln konfrontiert zu werden, besprechen sie auch anhand der Wirkung des Impostor Syndroms. Die Podcasterinnen zeigen auf, woher Blackfishing kommt und erklären passend in einer anderen Folge, was weiße Privilegien sind. Und nicht zu vergessen, die Frage aller Fragen, die PoC ständig gestellt bekommen: “Woher kommst du her?” wird von ihnen auseinandergenommen.

Chai Society

Die Radiomoderatorinnen Soraya und Refiye haben einen migrantischen Hintergrund gemeinsam und das Gefühl, im Gegensatz zu anderen in der weißen Mehrheitsgesellschaft ‚strenger‘ aufgewachsen zu sein. Bei einem Glas Tee sprechen sie über Alltagsherausforderungen, Gelantinefreies/Halal Food zu finden, über die Verurteilung von Heirat und lachen über Klischees. Außerdem thematisieren sie schwierige Konzepte wie das der ‚Jungfräulichkeit‘, der Ehre oder dem Druck der Schönheitsideale und sagen ihre Meinung dazu. Empfehlung geht besonders zu der „K-Wort“- Folge raus, wo die beiden Podcasterinnen mit Malcom und Marcel von der Kanakischen Welle über die Definition in Bezug auf Rassismus- und Klassismuserfahrung, Vereinnahmung und den Gebrauch des Begriffes diskutieren. 

Dattel & Chill

Wer die Datteltäter*innen nicht von Youtube kennt, hat was verpasst. Dort spielen sie auf satirische Weise mit Vorurteilen von sowie gegenüber Muslim*innen und behandeln zum Beispiel in den Formaten Wahrheit oder Vorurteil, Sag mir…, ob ich deutsch/konvertiert/geflüchtet/radikal…bin, stereotype Vorstellungen. In ihrem Podcast Dattel & Chill schallen eher ruhigere Töne: Sie beschäftigen sich mit Themen der muslimischen Community, setzen sich hierbei mit dem Rollenvorstellungen und Perspektiven muslimischer Frauen auseinander, diskutieren die (Nach-) Frage von Vorbildern oder reflektieren im Fastenmonat Ramadan ihre Gedanken und Erlebnisse. 

Dauernörgler

Die selbsternannten Dauernörgler, bestehend aus Eren Güvercin, Engin Karahan und Murat Kayman, sprechen über das muslimische Leben in Deutschland und diskutieren differenziert aktuelle Themen und Ereignisse wie den Terroranschlag in Hanau oder das auf dem privaten Fernsehsender ProSieben laufende Video „Männerwelten“. Die Podcaster reflektieren ihre Sozialisation in der muslimischen Gemeinde und den Einstieg in neue Diskurse durch das Eintreten ins akademische Umfeld. Fragen der Identitäten und der Erinnerung sind wiederholte Gegenstände der drei mit türkischer Migrationsgeschichte und aus dem Journalismus, Beratungs- und Rechtsbereich stammenden Podcaster. Sie setzen sich beispielsweise für ein verfeinertes Diskutieren hinsichtlich Erinnerungskultur ein, indem sie sich mehr Plattform für junge Juden und Jüdinnen in Deutschland und in der Türkei wünschen. 

diaspor.asia Podcast

In diesem Podcast wird asiatische Diaspora in Deutschland behandelt und in kritischen Reflexionen Zusammenhänge zwischen Erfahrung und gesellschaftspolitischen Dynamiken herausgearbeitet. Xinan und Cuso besprechen karikative Darstellungen von Asiat*innen und was Stereotypisierungen, Bilder von asiatisch markierter Männlichkeit oder Exotisierung und Fetischisierung von asiatisch gelesenen Frauen, für Effekte haben. Wie sich Rassismus über den Alltag hinaus ausdrückt, verdeutlichen sie immer wieder durch vielfältige Verweise auf das postmigrantische Leben in Deutschland und durch postkoloniale Kontextualisierung. Für die Podcaster*innen stellt der gebräuchliche Identitätsbegriff eine starre Konstruktion dar, die den fließenden Selbstbezeichnungen und beweglichen Identifikationen nicht entspricht. Sie sprechen über persönliche Aushandlungen von asiatischen, queeren Identitäten und diskutieren Problematiken und Wirkungen von Kategorisierungen. Neben Problematiken der Festschreibung, verhandeln sie im Gespräch, wie über diese auch politische Potentiale für kollektive Erfahrungen zu Solidarität geschaffen werden können. Warum Aktivismus für Sichtbarmachung wichtig sind, welche Strategien bei Empowerment und Self Care helfen können und was für Konflikte in der links-aktivistischen Szene bestehen, diskutieren die beiden oftmals mit Gästen in sehr intensiven Gesprächen. Lesenswert ist das Interview auf:    https://www.rosalux.de/news/id/40065/gehoert-werden/

DonnaSori Podcast

 Thea Suh beschreibt sich als „Nordlicht mit koreanischen Wurzeln“ und greift als studierte Musikethnologin mit Fokus Ostasien gerne popkulturelle, alltagsweltliche Themen rund um Südkorea auf. Außerdem spricht sie über Rassismus gegenüber Asiat*innen im Zusammenhang mit Corona. Parallel hatte sie den politischen German Panda Podcast, den sie nun mit diesem Podcast zusammengelegt hat. Dort ging es auch um die Situation von BIPoC, um rassistische Anschläge in Deutschland sowie Selfcare im Aktivismus.

Gedankensalat

„Ich habe auch was zu sagen“, antwortete Delal im Made in Germany Podcast auf die Frage nach ihrer Motivation, einen eigenen Podcast zu starten. Sie fühlte sich als Hijabi nicht repräsentiert, auch nicht in der Podcast Landschaft, der sie schon lange folgt. Das inspirierte sie dazu, selbst einen Podcast mit ihrer Freundin Erva zu starten.  Delal und Erva schildern ihre Diskriminierungserfahrungen aus dem Alltag und Erlebnisse aus der Schulzeit und der Arbeit, die sie als kopftuchtragende Frauen immer wieder stigmatisieren. Nicht nur zum anti-muslimischen Rassismus haben die beiden 21-jährigen Folgen aufgenommen, sondern auch zu Fluchtgeschichten und dem Werdegang im Bildungssystem. Was die Podcasterinnen noch bewegt, sind Fragen rundum Halal Dating, Sexualität, Beziehungen und junge Ehe, vegane Ernährung und ihre Liebe zum Reisen. Was es bedeutet, als sichtbare Muslima oder als homosexueller Muslim in Deutschland zu leben, zeigen die beschriebenen Reaktionen, und regen darüber hinaus in der Zuhörer*innenschaft zum Austausch an. Sie möchten ein Gefühl der Gemeinsamkeit innerhalb einer postmigrantischen Gesellschaft schaffen und laden dazu ein, Vorurteile abzubauen.  

Heimatmysterium

Bei dem Titel handelt es sich um eine Begriffsanlehnung an das Bundesministerium des Innern, für Bau – und seit 2018 für ‘Heimat’. Heimat – ein deutschsprachiges Wort mit spezieller Geschichte, das aufgrund seiner Verfassung kaum in andere Sprachen zu übersetzen ist. Es zeigt eine Verbindung zu etwas, das in subjektiver Verknüpfung definiert wird. Zur Bedeutung des Wortes ist oft die Frage um Identität involviert. Die Podcasterinnen Helena Kaufmann und Melis Yesilkaya wollen verstehen, was für sie Heimat heißt und gehen mit ihren Gästen den Spuren der familiären Geschichte nach und erzählen in Storytelling Abschnitten, was sie erleben und reflektieren, was es mit ihnen aus migrantischer Perspektive macht.  

Kanakische Welle

Die Journalisten Marcel Nadim Aburakia und Malcolm Ohanwe bringen komplexe Verbindungen und eine große Portion Flavour in ihrem Podcast zusammen. Diesen Spagat versuchen sie zu meistern, indem sie eigene (Identitäts-)Kämpfe, Andersbehandlung wegen Herkunft, Aussehen oder des Namens und gesellschaftspolitische Themen verknüpfen. Gerade die Verschränkung von Mehrfachdiskriminierung wollen sie im Gespräch mit Betroffenen sichtbar machen, diskutieren über verzerrte Männlichkeitsbilder und interviewen zu (Re-)Präsentation von Black and Indigenous People of Color in der Popkultur. Weiße Menschen können lernen, was ihre ‚Orientalisierung‘ und ‚Exotisierung‘ (beide Begriffe mit Anführungszeichen, da grundproblematisch) von migrantischen, nicht-weißen Menschen verursacht, welche Privilegien sie genießen und warum ‚weiße Tränen‘ sowohl beim Reisen als auch beim (deutschen) Klima-Aktivismus schwierig sind, ja, ausschließend sind und Verantwortung verschieben. 

Interviews sind hier zu finden:
https://www.munichmag.de/podcast-kanackische-welle/ https://www.jetzt.de/kultur/diese-podcasts-geben-people-of-color-in-deutschland-eine-stimme

Mais Podcast

Frisch dabei in der Podcast-Szene ist Mai und greift aus non-binärer Perspektive mit thailändischem Hintergrund verschiedenste Themen auf. Wie sich der Podcast weiter entwickeln wird, erzählt Mai im “Bin ich süßsauer?”-Podcast, wird sich zeigen, Popkulturelles oder Wissenschaft könnten Thema werden. Dort führen sie auch ein spannendes Gespräch über Polygamie. In den ersten beiden Folgen geht es um Rassismus in Liebesbeziehungen aus Perspektive weiblich gelesener, asiatisch markierter, in Deutschland lebender Personen of Color. 

Matatu

Matatu ist ein deutschsprachiger Afro-Podcast, der von Caro, Jackline und Paul seit Ende 2018 moderiert wird. Matatus sind Sammeltaxis, die in der ostafrikanischen Region wichtige Transportmittel des öffentlichen Nahverkehrs darstellen und so verschieden aussehen, wie die afro-diasporische Community und die Biografie der drei Podcaster*innen (“Tatu” bedeutet auf Swahili Drei), erzählt Paul in der ersten Folge. Die Drei verbindet, dass ihre Familien aus dem ostafrikanischen Raum kommen oder dort leben, die Podcaster*innen selbst dort zeitweise gelebt und sich an ihrem Wohnort Berlin kennengelernt haben. Sie wollten eine Lücke in Podcasts füllen, indem sie über Afrokultur, afro-diasporisches Leben auf zwei Kontinenten sprechen und gesellschaftliche Themen angehen. Aus persönlichen, biografischen Erlebnissen heraus tauschen sie sich über Afroshops, Mehrsprachigkeit, Reisen, Aufwachsen in Deutschland und über Schwarze Geschichte in Deutschland, Colourism und Rassismus mit vielen Leseempfehlungen aus, und setzten sich kritisch mit “Entwicklungszusammenarbeit” auseinander.   

Parallel dazu

Bevor der Podcast Parallel dazu 2019 gestartet ist, fanden unter einer Freundesgruppe aus Hamburg laufend Gespräche zu gesellschaftlichen Verhältnissen, politischen Bedingungen und den eigenen Erfahrungen als BIPoC in Deutschland statt. Warum also nicht den Austausch in einen Podcast teilen und für Schwarze, Indigene Menschen und People of Color in einer weißen Mehrheitsgesellschaft Verbundenheit schaffen? “Parallel zum Mainstream”, sagen sie, denn sie wollen sich hörbar machen. Außerdem ist der Podcast-Titel ein Wortspiel mit dem problematischen Begriff der ‘Parallelgesellschaft’, der migrantischen Communities Abschottung unterstellt und ‘Integrationsverweigerung’ vorwirft. Ihre Diskussionen zu Alltagsrassismus, Safer Spaces, Aufwachsen mit Mehrsprachigkeit und das Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten sind “Momentaufnahmen” der Entwicklungen und Haltungen zu Themen, die sie aus individueller Perspektive schildern und gemeinsam diskutieren. Akademische Begriffe werden erklärt und Selbstbezeichnungen kontext- und personenabhängig beschrieben, weil die Rassismuserfahrungen unterschiedlich sind.

Rampereicht!

Instagram / RampeReicht! – Ein zweiwöchiger Pocast über Behinderungen, gesellschaftliche und
Community-interne Ausschlüsse und Roboterpopo’s.

In der ersten Staffel sprechen SchwarzRund und simo tier über Wohnmarkt, Freund_innenschaften,
wichtige Begriffe und Un_Sichtbarkeiten in den Behindertenbewegungen.

Rice and Shine

Vanessa Vu sagte in der Folge zu vietdeutscher Comedy, dass ihr eine Echokammer fehlte. Damit ist gemeint, dass sie in ihren jüngeren Jahren niemanden zum Spiegeln mit ähnlicher Erfahrung hatte, wie andere sich vielleicht in bestehenden Communities verbunden fühlen, sich mit den Lebensgeschichten der Mitmenschen identifizieren und dabei ein Selbstverständnis entwickeln können. Gemeinsam mit Minh Thu Tran und Linh Tran, die später in die Produktion beigetreten ist, hat sie mit dem Podcast Rice and Shine eine solche Echokammer für die vietdeutsche Community im deutschsprachigen Raum gestaltet. Minh Thu und Vanessa verbinden persönliche Erlebnisse mit gesellschaftlichen Themen oder laden dazu Gäste ein, deren Erfahrungen sich um Anti-Asiatischen Rassismus, Klassismus und Sexismus drehen. Die Journalistinnen nehmen Popkulturelles unter die Lupe und setzen sich mit transgenerationalen Themen auseinander, wie in der Folge zu ‚Boat People‘, die über das offene Meer aus Vietnam flohen. 

TAZ Weißabgleich

Die Podcaster*innen von Weißabgleich sind beruflich mit der TAZ verbunden und erkennen den Bedarf, für und von People of Color einen Raum für Austausch zu schaffen. Sie stellen sich unter anderem die Frage, für wen der Verfassungsschutz gilt, diskutieren über politische Diskurse und sprechen über gesellschaftliche Ungleichheiten, die auch ihre persönlichen Geschichten betreffen. Wie funktioniert Empowerment und was können Eltern von Kindern of Color tun? Welche (strategische) Bedeutung haben Humor und Wut, um mit Rassismus umzugehen? Die Gespräche sind begleitet von dem Thema, wie weiß sich die Podcaster*innen fühlen und verhandeln dabei sprachliche Kategorien.

Tupodcast

“Happyland ist kein schönes Land”, sagt Tupoka Ogette im Interview Podcast Hotel Matze. >Happyland< bezeichnet sie als den Zustand, in dem sich weiße Menschen vor der Beschäftigung mit Rassismus befinden. In ihrem Buch exit RACISM prägt Tupoka diesen Begriff, um weiße Menschen bei der Sensibilisierung einer rassismuskritischen Perspektive zu helfen und fordert damit auf, den unbeschwerten Ort, in dem Ungleichheiten ignoriert werden, zu verlassen (April 2020 als Hörbuch erschienen). Im letzten Jahr hat sie den Podcast Tupodcast gestartet und trifft sich für empowernde Gespräche mit Schwarzen Frauen. Es geht unter anderem um ihre individuellen und gemeinsamen Strategien des Widerstandes, ihre Wege zur Politisierung und über das, was sie tun und was sie bewegt.